Ausbildung in den Freien Berufen: Attraktive Berufe für engagierte Auszubildene

Ausbildung in den Freien Berufen: Attraktive Berufe für engagierte Auszubildene

Der Verband der Freien Berufe Niedersachsen (FBN) holt den „Sommer der Berufsausbildung“ nach Niedersachsen und organisiert einen Praxisbesuch in Hannover.

Medizinische Fachangestellte übernehmen in Arztpraxen weit mehr als Anmeldung und Terminvergabe. Sie arbeiten in Diagnostik und Labor, betreuen Patientinnen und Patienten, organisieren Praxisabläufe und können sich später etwa im Praxismanagement oder in der Studienbetreuung weiterentwickeln. Wie gut junge Menschen diese Breite bereits während ihrer Ausbildung kennenlernen, hängt allerdings stark vom Ausbildungsbetrieb ab.

Darüber hat der Verband der Freien Berufe im Lande Niedersachsen (FBN) im Pneumologicum Hannover mit Auszubildenden und Beschäftigten gesprochen. An dem Austausch nahmen die CDU-Landtagsabgeordnete Martina Machulla, FBN-Hauptgeschäftsführer Dr. Mathias Meyer und Natascha Volodina vom Bundesverband der Freien Berufe (BFB) teil. Gastgeber war Dr. Martin Hoffmann, einer der vier Ärzte des Pneumologicums.

Der Besuch fand im Rahmen des „Sommers der Berufsausbildung“ statt. Der BFB beteiligt sich seit 2021 an der Initiative und sucht dazu regelmäßig das direkte Gespräch mit Auszubildenden und Ausbildungsbetrieben. In Hannover wurde das Format erstmals auf Ebene eines Landesverbandes der Freien Berufe durchgeführt.

Ausbildungsqualität hängt auch von den Strukturen ab

Das Pneumologicum bildet seit Jahren Medizinische Fachangestellte aus. Derzeit sind sechs Ausbildungsplätze besetzt, möglich sind bis zu sieben. Die Größe der Praxis erlaubt es, die Auszubildenden zwischen verschiedenen Arbeitsbereichen wechseln zu lassen. Dr. Hoffmann machte deutlich, dass dies bewusst so organisiert werde: Junge Menschen sollten während ihrer Ausbildung möglichst viele Tätigkeiten kennenlernen und nicht dauerhaft auf einzelne Aufgaben beschränkt bleiben.

Gerade dieser Punkt beschäftigte die Runde ausführlich. Aus der Berufsschule berichteten die Auszubildenden, dass Mitschülerinnen und Mitschüler in kleineren Praxen zum Teil bestimmte praktische Inhalte nicht kennenlernen könnten. Einige suchten deshalb während der Ausbildung nach einem anderen Betrieb. Im Gespräch entstand daraus die Frage, ob Kooperationen zwischen Praxen helfen könnten, etwa indem Auszubildende zeitweise in einem anderen Betrieb Tätigkeiten kennenlernen, die ihr eigener Ausbildungsbetrieb nicht anbieten kann.

„Die Qualität der Ausbildung darf nicht davon abhängen, ob eine junge Frau oder ein junger Mann seine Ausbildung in einer großen Einrichtung oder in einer kleinen Praxis, Kanzlei oder einem kleinen Büro absolviert. Entscheidend ist, dass die wesentlichen Inhalte tatsächlich vermittelt werden und die Auszubildenden gut auf ihren Beruf vorbereitet sind“, sagte Martina Machulla. „Gerade die Freien Berufe sind durch sehr unterschiedliche Betriebsgrößen und häufig auch durch spezialisierte Strukturen geprägt. Für kleinere Einheiten kann es deshalb schwieriger sein, die gesamte Bandbreite eines Ausbildungsberufs im eigenen Betrieb abzudecken. Das ist keine Frage des Engagements oder der Qualität der Ausbildung. Wir müssen vielmehr schauen, wie wir diese Betriebe dabei unterstützen können, ihren Auszubildenden trotzdem eine umfassende Ausbildung zu ermöglichen, beispielsweise durch Kooperationen oder ergänzende Ausbildungsangebote.“, so Machulla weiter.

Auch die schulische Seite der Ausbildung kam zur Sprache. Das Pneumologicum wollte in der Vergangenheit mehr Ausbildungsplätze besetzen, stieß in Hannover zeitweise jedoch auf fehlende Berufsschulplätze. Für Hoffmann war das ein Widerspruch: Einerseits werde bei Praxen dafür geworben, mehr auszubilden, andererseits fehlten zeitweise die notwendigen schulischen Kapazitäten. Inzwischen habe sich die Situation wieder entspannt.

Meyer: „Ausbildungsbereitschaft darf nicht an fehlenden Berufsschulplätzen scheitern. Wer mehr junge Menschen für eine duale Ausbildung gewinnen will, muss die betriebliche und die schulische Seite gemeinsam im Blick behalten.“

MFA-Beruf wird häufig unterschätzt

Ein weiterer Punkt war die Wahrnehmung des Berufs. Tabea Gerner, die selbst ihre Ausbildung im Pneumologicum absolviert hat und heute dort als Praxismanagerin arbeitet, schilderte ein breites Feld möglicher weiterer Berufswege. Neben Praxismanagement kommen beispielsweise Tätigkeiten in der Krankenhausverwaltung, in der pharmazeutischen Industrie oder als Study Nurse beziehungsweise Study Coordinator infrage.

Zugleich werde die Arbeit Medizinischer Fachangestellter öffentlich häufig auf „Arzthelferin“ oder „Sprechstundenhilfe“ reduziert. Aus Sicht der Beschäftigten bildet das weder die Qualifikation noch die Verantwortung im Praxisalltag angemessen ab. Gerade im Gesundheitswesen seien MFA für den Ablauf der ambulanten Versorgung unverzichtbar, würden in öffentlichen Debatten über Gesundheitsberufe aber vergleichsweise wenig wahrgenommen.

Auch bei der Nachwuchsgewinnung spielt dieses Bild eine Rolle. Mehrere Gesprächsteilnehmer waren ursprünglich auf ein Studium orientiert und kamen erst später zur Ausbildung. Empfehlungen aus dem persönlichen Umfeld, Einblicke in die konkrete Praxis und inzwischen auch Social Media beeinflussen die Entscheidung.

Die Freien Berufe gehören mit rund 129.000 Auszubildenden zu den größten Ausbildungsbereichen in Deutschland. Für den FBN ist die Sicherung des beruflichen Nachwuchses deshalb ein zentrales Thema.

Foto: AKNDS

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