Bundesministerium für Wirtschaft und Energie – Bericht über die wirtschaftspolitische Lage
Hier können Sie den Bericht des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie über die aktuellen wirtschaftlichen Auswirkungen der Covid-19-Pandemie einsehen.
Hier können Sie den Bericht des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie über die aktuellen wirtschaftlichen Auswirkungen der Covid-19-Pandemie einsehen.
„Die Corona-Krise hinterlässt seit März tiefe Spuren in den freiberuflichen Feldern. Jeder zweite Freiberufler ist stark oder sehr stark betroffen, zu Beginn der Krise waren es knapp zwei Drittel. Trotz einer aktuell leichten Entspannung auch bei der Auftragslage wird die Notlage vieler Freiberufler fortdauern. Im kommenden Jahr wird es für ein Achtel der Freiberufler um das wirtschaftliche Überleben gehen, 12,3 Prozent fürchten, dass der krisenbedingte Schaden für ihr Unternehmen im Verlaufe des Jahres 2021 existenzbedrohend wird. Diese Sorge trieb in der vorangegangenen Umfrage 7,8 Prozent um, diese Gruppe ist um ein gutes Drittel größer geworden“, so BFB-Präsident Prof. Dr. Wolfgang Ewer zu den Ergebnissen der Umfrage.
Und führt fort: „Die Zeichen stehen keineswegs auf Entwarnung: Es tritt aktuell zwar eine gewisse wirtschaftliche Gesundung ein, diese ist aber nach wie vor anfällig. Und auch wenn der überwiegende Teil der Freien Berufe das Corona-Jahr 2020 zu überstehen scheint, ist eine weitere Entspannung der Lage im nächsten Jahr dringend nötig, um weitere Schließungen zu vermeiden. Wir müssen alles daran setzen, einen zweiten flächendeckenden Lockdown zu verhindern. Jetzt liegt es in der Verantwortung eines jeden, durch umsichtiges Verhalten dazu beizutragen, dass das öffentliche und wirtschaftliche Leben aufrechterhalten bleiben kann.
Die Krise schlägt auch auf die Beschäftigung durch: Mehr als jeder Zehnte musste bereits Stellen abbauen, jeder Vierte befürchtet, sich bis Jahresende von Mitarbeitern trennen zu müssen, weitere fünf Prozent erwarten, im Verlauf des kommenden Jahres dazu gezwungen zu sein. So sind weitere rund 180.000 Stellen in Gefahr.
Etliche Ergebnisse der Umfrage zeigen, dass gerade junge und kleine Unternehmen sehr angeschlagen sind. Die politischen Entscheidungsträger sollten diese besonders in den Blick nehmen. Schließlich sind sie für unseren Standort von struktureller Bedeutung. Mittelständische Unternehmen sind entscheidend für Wachstum und Wohlstand unserer Volkswirtschaft, Gründer ihre Zukunft.
Die Überbrückungshilfe ist ein wertvolles Instrument. Sie ist für drei von vier Beantragenden hilfreich. Der BFB konnte Mitte September Nachbesserungen erreichen. Der BFB hält aber weiter an seiner Forderung fest, bei Bedarf das Zeitfenster über August hinaus zu verlängern und insbesondere auch daran, einen Lebensunterhalt gerade für kleine Freiberufler-Einheiten und Solo-Selbstständige einzuziehen. Durch die Verlängerung des Kurzarbeitergeldes ist die Asymmetrie der Hilfen für Selbstständige und Arbeitnehmern noch offensichtlicher geworden. Ein Bärendienst angesichts des ohnehin schon erlahmten Gründergeistes, signalisiert dies doch, dass Selbstständigkeit nicht wertgeschätzt wird.
Darüber hinaus besteht beim Kreditangebot weiterhin eine Mittelstandslücke: Der KfW-Schnellkredit gilt nur für Betriebe mit mehr als zehn Beschäftigten. So können Kleinstunternehmer nicht auf die zu 100 Prozent staatlich garantierte Kreditlinie der KfW zurückgreifen. Auch hier muss noch eine Lösung geschaffen werden.
Sowohl die wirtschaftlichen Maßnahmen als auch weitere Maßnahmen und Auflagen tragen die Freien Berufe grundsätzlich mit. In den kommenden Monaten gilt es nicht nur, alle Hilfsinstrumente nachzuschärfen, wenn dies erforderlich ist. Überdies bleibt es unvermindert wichtig, Corona-Beschränkungen mit Blick auf das Wirtschaftsleben sensibel auszubalancieren.
Die Wachstumskräfte gerade des Mittelstands, hier sind die Freien Berufe eine wesentliche Säule, sind schließlich entscheidend, um die Krise durchzustehen.“
Ergebnisse
1. Wirtschaftliche Auswirkungen
16,2 Prozent der im Verlauf des Monats September befragten Freiberufler trifft die Krise sehr stark, mehr als jeden Dritten (37,3 Prozent) stark, 33,4 Prozent kaum und 13,1 Prozent gar nicht. Im Vergleich zur ersten Corona-Umfrage, die den Zeitraum von Mitte Mai bis Mitte Juni abdeckt, verbesserte sich die Situation der Freiberufler ein wenig. Gaben seinerzeit knapp zwei Drittel (61,8 Prozent) an, sehr stark oder stark betroffen zu sein, trifft dies nunmehr auf jeden Zweiten (53,5 Prozent) zu.
Betrachtet nach den vier Säulen sind die freien Kulturberufe sowie die freien Heilberufe am stärksten betroffen, hier spüren zwei von drei die Krise stark oder sehr stark, bei den technisch-naturwissenschaftlichen Freiberuflern sowie den rechts-, steuer- und wirtschaftsberatenden Freiberuflern gilt dies für rund jeden Dritten. Im Vergleich zur vorherigen Auswertung hat sich die Situation außer bei den freien Heilberufen ein wenig verbessert.
Kleine Freiberuflereinheiten, die bis zu zehn Mitarbeiter beschäftigen, sind stärker betroffen als größere Unternehmen. Gerade Freiberufler mit bis zu fünf Mitarbeitern sind überdurchschnittlich betroffen, 18,5 Prozent sehr stark und 37,9 Prozent stark. Für Freiberufler mit zwischen sechs und zehn Mitarbeitern liegen die Werte bei 9,4 und 40,3 Prozent.
Junge Unternehmen, die zwischen 2015 und 2018 gegründet wurden, sowie ganz junge Unternehmen, die ab 2019 gegründet wurden, sind überdurchschnittlich stark betroffen: 61,1 Prozent beziehungsweise 58,3 Prozent sind sehr stark oder stark betroffen. Die Unternehmen beurteilen ihre aktuelle Situation etwas positiver als zuvor.
2. Existenzbedrohung
Überdurchschnittlich betroffen sind ganz junge Unternehmen ab dem Gründungsjahr 2019, mehr als jeder Fünfte (22,2 Prozent) bangt um sein Fortbestehen. Überdies plagen gerade kleine Einheiten (20,2 Prozent) mit bis zu fünf Mitarbeitern Existenzsorgen.
Wiederum ganz junge Unternehmen befürchten, sich nicht am Markt halten zu können (17,4 Prozent). Auch kleine Einheiten mit bis zu fünf Mitarbeitern sind überdurchschnittlich kritisch (14,4 Prozent).
3. Auftragsrückgang
Jeder fünfte Freiberufler verzeichnet massive Einbrüche um über die Hälfte: Bei 8,6 Prozent beträgt der Rückgang zwischen über 75 und 100 Prozent, bei 11,9 sind es zwischen 50 und 75 Prozent. Bei 20,7 Prozent belaufen sich die Einbußen auf über 25 bis zu 50 Prozent. 27,9 Prozent sind fünf bis zu 25 Prozent weggebrochen. Bis zu fünf Prozent geben 30,9 Prozent an. Auch in dieser Hinsicht ist eine leichte Besserung eingetreten. Zuvor verzeichneten 20,4 Prozent einen Auftragsrückgang zwischen über 75 und 100 Prozent, 12,4 Prozent eine Abnahme um zwischen 50 und 75 Prozent. Bei 23,4 Prozent lagen die Rückgänge bei über 25 bis zu 50 Prozent, 27,9 Prozent fehlten über fünf bis zu 25 Prozent und 15,9 Prozent bis zu fünf Prozent.
Hiervon sind gerade ganz junge Unternehmen ab Gründungsjahr 2019 betroffen, 12,8 Prozent haben über 75 Prozent ihrer Aufträge verloren. Überdurchschnittlich betroffen sind mit 10,6 Prozent auch kleine Einheiten mit bis zu fünf Mitarbeitern.
4. Stellenabbau
Überdies erwarten fünf Prozent der Freiberufler, die bislang noch nicht zu Entlassungen gezwungen waren, bis Ende des Jahres Mitarbeiter entlassen zu müssen.
5. Nutzung der Überbrückungshilfe des Bundes
Die seit dem 8. Juli 2020 zu beantragende weitere Liquiditätshilfe hat bis 20. September 2020 und mithin vor der Verlängerung des Referenzzeitraum für die Ermittlung der Umsatzeinbrüche von bisher April und Mai auf die Monate April bis August nahezu jeder dritte Freiberufler (29,5 Prozent) genutzt. Bei 4,6 Prozent wurde der Antrag abgelehnt.
Die Überbrückungshilfe ist gerade für kleine Unternehmen mit bis zu fünf Mitarbeitern wichtig. Jeder dritte Freiberufler dieser Größe hat sie genutzt (32,1 Prozent). Drei von vier aller Beantragenden hat sie geholfen, 33,9 Prozent halten sie für sehr hilfreich und 42,1 Prozent für hilfreich.
6. Beurteilung der wirtschaftlichen Maßnahmen
Die überwiegende Mehrheit (61,1 beziehungsweise 62 Prozent) beurteilen die wirtschaftlichen Maßnahmen von Bund beziehungsweise Ländern zur Bekämpfung der Krise als angemessen. Für untertrieben halten sie 20,8 Prozent beziehungsweise 23,2 Prozent, für übertrieben 18,1 beziehungsweise 14,8 Prozent.
7. Beurteilung der sonstigen Maßnahmen und Auflagen
Wiederum die Mehrheit (65,5 beziehungsweise 63,3 Prozent) hält die politischen Weichenstellungen von Bund beziehungsweise Ländern für angemessen. Als untertrieben stufen sie 8,3 Prozent beziehungsweise 9,3 Prozent ein. Für übertrieben halten sie 26,2 Prozent beziehungsweise 27,4 Prozent.
Über die Umfrage
Repräsentative Umfrage des Instituts für Freie Berufe (IFB) unter knapp 1.900 selbstständigen Freiberuflern zu den wirtschaftlichen Folgen der Corona-Pandemie in den Freien Berufen; erhoben und ausgewertet zwischen Anfang und Ende September 2020. Die Daten wurden erhoben, als erste Lockerungen vorgenommen wurden und die Hilfsinstrumente bereits Wirkung entfaltet haben.
Bund und Länder haben eine gemeinsame Strategie vereinbart, um das SARS-Cov2-Infektionsgeschehen in Deutschland unter Kontrolle zu behalten.
In den letzten Wochen sind die Infektionszahlen in weiten Teilen Deutschlands gestiegen, gerade in einigen Großstädten und Metropolregionen besonders deutlich. Um dem entgegenzuwirken, müssen die Zahl der Kontakte trotz des Beginns der kalten Jahreszeit und der damit verbundenen Verlegung vieler Aktivitäten in Innenräume wieder reduziert werden.
Wesentliches Elemente der Strategie, um dies zu erreichen, sind
Ab einer Inzidenz von 50 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner in einer Woche wird die Kontaktnachverfolgung immer schwieriger. Deshalb haben Bund und Länder vereinbart, spätestens ab dieser Grenze auch mit zusätzlichen geeigneten Beschränkungsmaßnahmen die Neuinfektionszahlen regional wieder zu senken.
In Großstädten stellt diese Aufgabe aus vielerlei Gründen eine besondere Herausforderung dar.
Deshalb hat die Bundeskanzlerin mit den Bürgermeistern und den Oberbürgermeistern und Oberbürgermeisterinnen der elf größten Städte in Deutschland besprochen:
Eine Lockerung der Corona-Einschränkungen wird nach einer Analyse des Internationalen Währungsfonds (IWF) die Wirtschaft so lange nicht beflügeln, wie die Krankheitsrisiken nicht beherrschbar sind. Nicht nur die staatlichen Mobilitäts- und Begegnungsverbote, sondern auch die Angst der Bürger vor Ansteckungen seien ursächlich für die Wirtschaftskrise. Insbesondere solange die Ansteckungszahlen weiter steigen, warnt der IWF davor, die mit der Corona-Krise einhergehenden Beschränkungen aufzuheben, um dadurch die wirtschaftliche Nachfrage zu beflügeln.
Damit widerspricht die Analyse des IWF der von einigen führenden Politikern in der Welt vertretenen Auffassung, man müsse zwischen der Rettung von Leben und der Wiederbelebung der Wirtschaft unterscheiden. Insoweit unterstreicht der IWF die Wichtigkeit von staatlich verordneten Beschränkungen, die umso wirksamer seien, je früher sie erlassen und überwacht würden.
FAZ vom 09.10.2020
Gerade für Solo-Selbstständige und Kleinunternehmer, auch in den Freien Berufen, ist bei der Überbrückungshilfe ein Unternehmerlohn in angemessener Höhe einzuziehen, so BFB-Präsident Prof. Dr. Wolfgang Ewer. Dies auch, da durch die begrüßenswerte Verlängerung des Kurzarbeitergeldes die Asymmetrie der Hilfen für Selbstständige und Arbeitnehmer noch offenkundiger geworden ist.
Nach einer Befragung des ifo Instituts unter 950 Wirtschaftsexperten aus 110 Ländern wird für das laufende Jahr ein Schrumpfen der Weltwirtschaftsleistung um 4,4 Prozent erwartet. Die Erholung dürfte damit langsamer verlaufen als der Absturz (plus 3,2 Prozent 2021). Sie könnte sich vielerorts mindestens bis ins Jahr 2022 hinziehen, bevor das Vorkrisenniveau wieder erreicht ist. Als wirksamste wirtschaftspolitische Maßnahmen werden Liquiditätshilfen für kleine und mittlere Unternehmen sowie Verbesserungen der Gesundheitssysteme genannt.